Medizinischer Bericht

Orthopädische Ergonomie beim Tragen der Golfausrüstung

Über akute Verletzungen im Golfsport lässt sich nicht viel berichten. Eher von Interesse sind Verletzungen oder besser, Beschwerden durch Überlastung bzw. Fehlbelastungen. Natürlich sind hier in erster Linie Beschwerden nach häufigem Golfspielen ohne systematisches Aufwärm-Training an der Driving-Range, beim kalten Wetter oder Fehlhaltungen beim Tragen der Golfausrüstung zu nennen. Nach Zahlen der GOTS (Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin), die für alle Breitensportarten eine Broschüre „Übersichten zu den häufigsten medizinisch behandlungsbedürftigen Verletzungen und Beschwerden im Bereich Bewegungsapparat“ erstellt hat, liegen beim Golf Überlastungssyndrome an der Lendenwirbelsäule und der Schulter in ihrer Häufigkeit deutlich vor anderen Bereichen des Bewegungsapparates.

Die zusätzlichen asymmetrischen Belastungen an Wirbelsäule und Schulter, die durch das Tragen von Golfbags entstehen, provozieren, je intensiver man den Sport ausübt, ebenfalls Beschwerden. Erfahrungsgemäß verlängern sie auch notwendige medizinische Behandlungen und damit die Rehabilitation. Die Rückkehr zum Golfsport wird verzögert. Viele Golfer weichen dann auf Golf-Trolleys aus, welche jedoch durch das starre Ziehen/Schieben nur bedingt entlastend wirken, weil die Abduktion des Armes verändert, aber nicht beseitigt wird. Dazu werden Richtungsänderungen nur durch Druck auf die Hinterachse und seitliche Reibung der Räder erzielt.

Abduktion - manusgolf ®
Abduktion - manusgolf ®

Gegen Golf-Carts spricht das fehlende Gehen; dies ist aus sportlicher und orthopädischer Hinsicht widersprüchlich und kontraproduktiv: wer unter Beschwerden im Bereich des Bewegungsapparats leidet, sollte weniger Löcher spielen, aber dafür dies zu Fuß tun. So lassen sich beide „Handicaps“ optimal harmonisieren.

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Arbeit von der Universität Frankfurt a.M. (H. Graichen et al.), in der man die Veränderungen der subakromialen Raumweite unter dem Einfluss verschiedener Muskelkräfte untersuchte. Diese Studie zeigte eindeutig, dass unter adduziertem, das heißt an den Körper herangeführten Arm, es zu einer deutlichen Erweiterung des Subakromialraumes an der Schulter kommt. Bei Abduktion dagegen, also dem Abspreizen des Armes vom Körperrumpf, kommt es zu einer Verengung. Diese Verengung ist die häufigste Ursache überhaupt für Schulterbeschwerden.

Adduktion - manusgolf ®
Adduktion - manusgolf ®
PD Dr. Hans-Heinrich Trouiller - manusgolf ®

Betrachtet man sich die Abbildungen der Golfer mit typisch geschultertem Golfbag, ist der Arm abgespreizt. Aus sportmedizinischer Sicht ist deshalb der Hand-Caddy „manusgolf“, der wie eine Aktentasche mit am Körper angelegtem Arm getragen wird - und abwechselnd mit dem anderen Arm natürlich schwingt - eine gelungene Alternative.


PD Dr. Hans-Heinrich Trouiller
Orthopäde und Unfallchirurg
Zusatzbezeichnung Sportmedizin